Der nächste Morgen meldete sich schüchtern hell zurück - richtig versöhnlich. Auf Wandern hatten wir
beide keinen Bock, aber Berge sollten es trotzdem sein. Wir dachten uns eine Route aus und fuhren zunächst
nach Tatranská Lomnica, um dort - völlig lasch - mit der Seilbahn auf den Gipfel des Lomnický štit zu fahren.
Leider wurde die obere Seilbahn gerade gewartet, sodaß wir leider nicht bis ganz nach oben zur Wetterstation
fahren konnten. Doch als ich die obere Seilbahn sah, war ich deswegen auch nicht böse, denn sie führte
freihängend ca. 500m steil nach oben und hing schätzungsweise 100m über dem Boden - zu viel für mich.
Den slova- kischen Wartungskräften hätte ich sicher nicht vertraut.
Angenehm entspannt kamen wir also an der ersten Station an und aßen erstmal in der Bergkneipe etwas
zu Mittag. So leicht kann also "Bergsteigen" sein. Mit dem Sessellift ging es dann noch ein Stück höher bis
auf den unter dem Gipfel liegenden Bergkamm. Ein herrlicher Panoramablick erwartete uns und die Sonne
war angenehm warm. Kaum zu glauben, daß ich mich gesten noch fragte, ob ich jemals wieder von diesem
Drecksberg herunterkommen würde.
Als wir uns endlich sattgesehen hatten, wollten wir uns un- bedingt noch die größte Burganlage Mitteleu- ropas,
die Burgruine "Spišský hrad" an- schauen. Die im 12. Jh. erbaute und ca. 4 Hektar umfassende Burg steht
auf einem 634m hohem Hügel, von welchem man einen Rundumblick bis zum Horizont hat. Kein Wunder, daß
sie uneinnehmbar war.
Mit den Motorrädern fuhren wir den kleinen Weg bis direkt hoch zum Eingang. Niemand nahm uns das übel, doch
früher wären wir sicher von Kanonenfeuer empfangen worden. Die 60,-SK (entspricht ca. 1,50EUR) Eintritt
sind für das, was uns im Inneren erwartete, einfach nur ein Witz.
Die Ruinen sind topgepflegt und in den
gut erhaltenen Räumen sind kleine Museen einge- richtet, die die alten Ritterrüstungen und Waffen beherbergen.
Das Wetter war schön und die zugegebener- maßen nicht ganz stilechte Filmmusik von Mel Gibsons "Braveheart"
ließen uns lange verweilen und in aller Ruhe die Macht dieser alten Gemäuer auf uns wirken. Glücklicherweise
ist der September ein ruhiger Monat, sodaß wir die ganze Zeit nirgendwo mit Menschenmassen konfrontiert
wurden.
Auf dem Rückweg in unser Hotel fiel uns auf, daß die Slovakei eigentlich nicht das Motorradfahrerparadies
ist, zumindest nicht für uns.
Es ist zwar nicht schlecht - die romantisch geschwun- genen Landstraßen und
Schotterpisten bringen schon Spaß. Doch richtig gefehlt haben uns die Gebirgspässe, was daran liegt, daß
die Gebirge im Land sehr klein und nicht zusammenhängend sind, sodaß man die Straßen problemlos
um sie herumbauen kann. Spek- takuläre Serpentinen wie in Südtirol oder den französischen Alpen sucht man vergebens.
Schade, denn diese Art von Straßen findet man auch im von unserer Heimat aus nahem Riesengebirge - man
hätte also wegen dem Fahrspaß nicht soweit fahren müssen.
Die Architektur der Dörfer und Städte ist
sehr kommunistisch geprägt. traditionelle Baukunst findet man in den Dörfern selten und in den Städten,
wenn man sich durch die Plattenbauwüste gekämpft hat. Immer wieder trifft man in den weniger touristisch
angehauchten Gegenden auf Armutszeugnisse, die man eigentlich nicht erwarten würde.
So fanden sich an einer
Landstraße baufällige Hütten, in denen Familien lebten, wärend einige Meter weiter neue Eigenheime
aus dem Boden schossen. Es ist nicht so, daß ich sowas noch nie sah, jedoch war ich überrascht, so
kurz vor meiner Haustür solches Elend zu sehen.
Insgesamt hinterließ dieses Land einen sehr positiven Eindruck und für Wanderer und Ruinen- oder Hölenbegeisterte
ist es ein ideales und sehr preiswertes Terrain. Für Enduristen sind wohl eher Gegenden, wie Rumänien,
Frankreich oder Südtirol ereignisreicher.
Fotografische Motive finden sich jedoch sehr zahlreich - Hobbyfotografen finden hier ihr Glück.
Einige Impressionen darüber findet ihr in der Bildergalerie