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technik ... praxistipps - langzeitaufnahmen
Langzeitaufnahmen ermöglichen sehr interessante, teilweise unwirklich erscheinende Effekte und machen dieses
Gebiet der Fotografie dadurch unheimlich interessant.
Grundvoraussetzung dafür ist eine Kamera, die längere Verschlusszeiten ermöglicht. Sehr geeignet
dafür ist der so genannte "bulb"-Modus, bei dem, so lange der Auslöser bzw. Fernauslöser gedrückt wird,
belichtet wird. Viele (digitale) Spiegelreflexkameras bieten diese Funktion.
Will man Langzeitaufnahmen auch bei Tageslicht anfertigen, muss man sich außerdem noch einen Neutralgraufilter
besorgen. Aber Eins nach dem Anderen...
Möglichkeiten für den Einsatz von Langzeitbelichtungen:
Hier kann man erst mal grundsätzlich zwischen zwei gezielten Einsatzzwecken unterscheiden. Zum Einen
kann man mit langen Verschlusszeiten wunderschön bewegungsunscharfe Motive ablichten, zum Anderen kann
man bewegte Motive mit entsprechend langen Belichtungen sogar (fast) ganz aus dem Bild ausblenden.
Ausschlaggebend für das Ausblenden von bewegten Motiven ist das Verhältnis von Belichtungszeit und
Geschwindigkeit der Objekte während der Belichtung. Hat man angenommen eine 15 Sekunden lang dauernde
Belichtung, wird ein Objekt, welches sich nur für eine Sekunde linear durch das Bild bewegt nicht
auf dem Foto zu sehen sein. Anders kann es allerdings aussehen, wenn sich das Objekt in dieser Sekunde nicht
bewegt. Dann ist es schon möglich, dass man es noch schwach auf dem fertigen Bild erahnen kann.
Beginnen wir mit Langzeitaufnahmen am Tage unter Zuhilfenahme eines Neutralgraufilters...
Zu erst sollte man überlegen, welche Verschlusszeiten erreicht werden sollen. Für die Darstellung
von verwischten Wasserfällen kann zum Beispiel schon eine Verschlusszeit von etwa einer Sekunde ausreichend sein.
Längere Verschlusszeiten lassen die Strukturen immer mehr verschwinden, sodass der Eindruck von Nebel
oder flüssigem Metall entsteht, was geschmacksabhängig durchaus attraktiv wirken kann. Auch für die
"Glättung" einer aufgewühlten Meeresküste sind mehr als 10 Sekunden Belichtungszeit sinnvoll. Für
bewegte Baumkronen oder aufgewirbeltes Laub hingegen sind Bruchteile von Sekunden schon wieder ausreichend,
sonst sind die bewegten Objekte kaum oder gar nicht mehr zu sehen.
Graufilter gibt es in verschiedenen Stärken:
| Dichte (ND) |
Verlängerungsfaktor (Verschlusszeit) |
Lichtreduktion in Blendenstufen |
| 0,3 |
2x |
1 |
| 0,6 |
4x |
2 |
| 0,9 |
8x |
3 |
| 1,8 |
64x |
6 |
| 3,0 |
1.000x |
10 |
| 4,0 |
10.000x |
13 |
| 6,0 |
1.000.000x |
20 |
Ich persönlich nutze einen 1.000x Graufilter der Marke B+W. Durch die Verschlusszeitenverlängerung
komme ich beispielsweise bei Tageslichtaufnahmen ohne Filter mit einer Verschlusszeit von angenommen 1/200s auf
5 Sekunden mit Filter. Bei einer Verschlusszeit von 1/30 ohne Filter verlängert sich die Zeit mit Filter auf 30 Sekunden usw.
Beim Fotografieren mit solch einem starken Graufilter gilt es eine Routine einzuhalten, denn wenn man sich die
"schwarze" Scheibe mal so betrachtet, wird schnell klar, dass mit aufgesetztem Lichtreduzierer weder
Ausschnittswahl, noch Belichtungsmessung oder Autofokusmessung möglich sind. Wurde ein Motiv gefunden, geht man
wie folgt vor:
Zu erst wird die Kamera auf ein Stativ montiert und der Bildausschnitt festgelegt. Als nächstes entscheidet man
sich für eine passende Blende (Tiefenschärfe oder -unschärfe) oder eben für eine Belichtungszeit, die man erreichen möchte.
Soll eine Blende 5.6 verwendet werden, stellt man diese ein, lässt die Kamera die Belichtung messen und merkt sich
die errechnete Belichtungszeit. Durch eine Probeaufnahme wird geprüft, ob die Belichtungsmessung stimmt oder noch
etwas korrigiert werden muss.
Ist die Probeaufnahme gelungen, wird die Kamera auf manuellen Belichtungsmodus umgestellt, der Graufilter aufgesetzt,
die Blende eingestellt, die gerade ermittelte Verschlusszeit x1000 eingestellt und der Autofokus deaktiviert. Hat
man vergessen, den AF abzuschalten, wird die Kamera versuchen beim Auslösen scharf zu stellen - was natürlich scheitert. In dem Fall
muss der Filter wieder runter und neu scharfgestellt werden.
Die Aufnahme selbst wird unter Zuhilfenahme des Selbstauslösers oder per Fernauslöser eingeleitet. Da die
meisten Kameras nur eine Zeitvorwahl von max. 30 Sekunden erlauben, muss bei errechneten längeren Zeiten
der "bulb"-Modus in Verbindung mit einem Fernauslöser genutzt werden.
Die fertigen Bilder werden unter Umständen etwas wärmer wirken als die Fotos ohne Graufilter, da die
"Neutral"-graufilter ab einer bestimmten Dichte einige Farbspektren stärker filtern als andere. Dem Bild
ist das aber in den meisten Fällen sogar zuträglich.
Und weiter gehts mit Langzeitbelichtungen in der Nacht...
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